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Meinungen
Am Dienstag wurden 35 Stolpersteine in Gelnhausen zum Gedenken an die Opfer, die unter der Naziherrschaft ihr Leben verloren, von dem Künstler Gunter Demnig verlegt. Auf den Stolpersteinen sind der Name, das Geburtsjahr, wohin sie deportiert wurden und wie sie zu Tode kamen.
35 Stolpersteine, das sind 35 Menschenschicksale aus Gelnhausen. Die Steine wurden dort verlegt, wo sie wohnten. Dort wurden sie geboren, verlebten ihre Kindheit, gingen in die Schule, in die Synagoge, hatten Freunde, hatten Nachbarn. Sie gingen ihrer Arbeit nach, feierten ihre Feste und liebten ihre Heimat, wie jeder andere Gelnhäuser. Bis die Nazis sie aus den Wohnungen zerrten, sie in die Vernichtungslager deportierten und dort umbrachten.
Eugen Kogon hat in seinem Buch der SS-Staat den Zynismus und die Vermarktung der Opfer ausführlich beschrieben. Die Vernichtung durch Arbeit beschreibt Kogon so: Die SS erstellte eine Kosten- Nutzenrechnung für die KZ Häftlinge, die an die Deutsche Wirtschaft entweder als Fach- oder als Hilfsarbeiter verliehen wurden. Der tägliche Verleihlohn betrug zwischen 6,- und 8,- Reichsmark. Davon wurden Verpflegungskosten in Höhe von 0,60 RM und Bekleidungskosten von 0,10 RM abgezogen. Also pro Tag verdiente die SS mindestens 5,30 RM an jedem Häftling. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 270 Tagen in einem KZ betrug der Gewinn pro Häftling 1431,- RM. Dazu rechnete die SS noch die Verwertung von Kleidern bei der Einlieferung in die KZs. Die Häftlinge wurden sämtlicher Wertsachen und ihres mitgebrachten Geldes beraubt. Demgegenüber verringert sich der Gewinn um 2,- RM durch die Verbrennungskosten der Leichen. Der Gesamtgewinn pro Häftling wurde von der SS auf mindestens 1.630,- RM festgelegt.
Ich fahre jedes Jahr nach Buchenwald, damit ich immer wieder sehe und erlebe und nie vergesse, wie die Nazis mit politisch Andersdenkenden, mit religiösen Menschen, mit sexuell anders orientierten Menschen, mit Juden, mit Zigeunern oder anderen Ethnien umgegangen sind.
Es berührt mich aber genau so, wenn ich drei Stolpersteine in Gelnhausen von drei Schwestern im Alter zwischen 80 und 90 Jahren sehe. Diese alten Damen hat man aus Gelnhausen nach Theresienstadt deportiert, um sie dort umzubringen. Deshalb war es wichtig, dass die Verlegung der Stolpersteine in einem würdigen Rahmen stattfand. Auch die Musikalische Untermalung durch Pete Klinger vollendete den würdigen Rahmen.
Damit hat man den Opfern auch ein Stück Würde zurückgegeben.
Und immer noch gibt es in Deutschland Leute, die glauben man müsste auch rechte Meinungen respektieren. Da findet eine Veranstaltung in der Stadthalle statt, wo auf dem Podium neben den demokratischen Parteien ein Vertreter der Rechten sitzt.
Nein liebe Leute, Faschismus ist keine Meinung - Faschismus ist ein Verbrechen !
Für mich sind Besuche in Buchenwald oder die Verlegung von Stolpersteinen in Gelnhausen ständiger Auftrag gegen jede neofaschistische Aktion vorzugehen.
Dass die demokratischen Parteien, und viele Demokraten, vor allem auch junge Demokraten, den Auftritt der Nazis am 05.09.2009 verhindert haben, erfüllt mich
mit Hoffnung.
Ich glaube, Gelnhausen ist auf dem richtigen Weg!
Karl Steiss
Mitglied der LINKEN OV Gelnhausen
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